Magazinbesprechung: QUINTESSENCE

Als Beilage der jeweiligen Dezember-Ausgaben der Conde Nast Magazine VOGUE, Myself, AD, Glamour & GQ gab es dieses Mal etwas ganz besonderes. Schon länger kündigten die Chefredakteure der fünf Zeitschriften an, dass es bald ein Gemeinschaftswerk zu lesen geben würde. Anfangs konnte man darüber auf dem dazugehörigen Blog lesen. Die Beteiligten posteten Collagen, Texte und Videos von Dingen und Personen die sie inspirierten und stellten so ihr „Hirngespenst“ der breiten Masse vor.

Es war für alle eine Art Experiment. Fünf Magazine zu einem Ganzen zu schaffen. Ich wartete sehnsüchtig darauf und konnte es heute endlich in meinem Briefkasten vorfinden. Als Beilage der Dezember-VOGUE brachte es mir der Postbote bis vor die Haustüre und machte meinen, bis dahin schrecklichen Tag, zu einem besseren.

Nun ist es da, QUINTESSENCE. Nach der deutschen Harpers Bazaar ein weiterer Newcomer am Kiosk.

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BildIn Wahrheit heißt etwas wollen, ein Experiment machen, um zu erfahren, was wir können.“ – Nietzsche

Im Editorial stellen die fünf Chefredakteure ihr „Neugeborenes Experiment“ vor. „In einer Zeit, in der für die Medienbranche Vertrauen in die eigene Zukunft so wertvoll ist wie Diamanten, ist es uns wichtig, ein Statement für gut gemachte Medien zu setzen.“ Als Journalismus-Student weiß ich dieses Zitat sehr zu schätzen, da unsere Zukunft in jeder Vorlesung und Vorstellungsgespräch in Frage gestellt wird. Die Printmedien sterben aus, heißt es sooft. Das es auch anders geht, beweist der Conde Nast Verlag, mit diesem Magazin und macht mich sehr froh.

QUINTESSENCE ist in fünf Teile gegliedert.

RADIKAL , KLUG , RAFFINIERT , SEXY & POETISCH

Los geht es mit Raffiniert. Hier werden die zwei interessantesten Männer Deutschlands zu einem noch interessanteren Gespräch begleitet. Karl Lagerfeld und Till Lindemann von Rammstein. Hätte mir jemand gestern noch davon erzählt, hätte ich es für völlig sinnfrei gehalten. Umso überraschter war ich von diesem Interview. Till Lindemann macht nicht nur Gruselrock sondern hat erst kürzlich ein Gedichtband veröffentlicht, von welchem Karl begeistert war. Im Gespräch hat man das Gefühl, beide sind begeistert von einander und respektieren die gegenseitige Arbeit. Das Gespräch dreht sich um die Kindheit, die Arbeit und Deutsche Tugenden. Karls Antworten sind wie immer sehr amüsant und ich musste wirklich oft drauf los lachen.

Besonders bei den Fragen nach den Deutschen Tugenden gibt Lagerfeld grandiose und für ihn sehr typische Antworten. Unbedingt lesen!!

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BildQUINTESSENCE lebt von großartigen Bildern und Zitaten. Die Bilder sind Best Of’s der jeweiligen Magazine und sind immer von starken, erfolgreichen Charakteren wie Thomas Gottschalk, Beth Dito oder auch Tina Turner.

Die Kraft, die aus der Kälte kam: eine schlimme Kindheit, eine Miese Ehe = ein Leben ohne Limits, ein glanzvoller Kampf. „Ich habe Tina nur zur Boden geschlagen“, behauptete Ike Turner einmal, „ich habe sie nie verprügelt.“ Es war genau umgekehrt. (VOGUE)

Ich mag dieses Zitat sehr gerne und war schon damals großer Fan der Tina Turner VOGUE Story. QUINTESSENCE pickt sich die großen, starken Persönlichkeiten heraus und inspiriert dabei.

Ein Text der mich gleicherweise beeindruckt und positiv gestimmt hat, ist „Kurz & Schnell“ auf Seite 70. Es geht um die Zukunft des Journalismus und darum, nach vorne zu blicken und nicht zurück. Es gibt soviele die auf den neuen Journalismus schimpfen anstatt etwas neues, innovatives daraus zu machen. Im Laufe des Textes wird ein Roman vorgestellt, der aus Twitter Nachrichten besteht.

Sieben Jahre brauchte die Literatur, um ein erstes Werk herauszubringen, das dem neuen Medium voll entspricht.“

Im Teil „SEXY“ geht es um Selbstbewusstsein und Engagement.

Fünf Redakteure stellen ihre Lieblings-Arbeiten vor. Bilder aus vergangenen Magazinausgaben. Anfangs dachte ich, oh wie faul und einfach, doch der Gedanke die besten Arbeiten noch einmal zu würdigen, ist viel mehr als das. Wie eine Sammlerbox zu meiner Lieblingsserie werden hier Bilderstrecken aus allen fünf Magazinen zusammengefasst.

Mit THINK BIG gibt QUINTESSENCE Einblicke in die große große Welt von Conde Nast und zeigt wie in Indien,Russland,Brasilien und Asien gearbeitet wird. Beeindruckend!

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„KLUG“ heißt ein weiteres Ressort und hat mich besonderes inspiriert. Lady Gaga eröffnet mit „Ich bin nicht zufällig Berühmt geworden!“ ihr Interview und erinnert mich sehr an mich.

„Ich bin nicht berühmt geworden, weil ich ein Partygirl bin, das zufällig in die richtige Szene geraten ist. Ich habe seit meiner Kindheit hart an meinem Talent gearbeitet.“

Im Interview gelingt das, was viele Journalisten gerne gekonnt ignorieren wollen. Gagas Menschliche und Künstlerische Seite. Fernab der „du bist so crazy“ Mentalität. Sie erzählt von wem sie inspiriert wird und wird von ihrem Vater gestört. Erfrischend!

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QUINTESSENCE redet nicht nur von Experiment und neuen Wegen sondern versucht sie auch zu gehen, so mit einer Art Comic, in der ein Erlebnisbericht aus Kairo erzählt wird.

„RADIKAL“  und „POETISCH“ sind die letzten Punkte der ersten Ausgabe.

Radikal ist laut QE ein Archivar der die acht Millionen Bilder des Conde Nast Verlages archiviert. Was, wie sich herausstellt, schwieriger ist, als es klingt. Die Chefredakteure gaben Shawn Waldron dabei gleich noch die Aufgabe, seine Neun Lieblingsbilder herauszusuchen und die Geschichte dahinter zu erzählen. Mein Lieblingsbild davon ist übrigens: Lindbergh & die wilde Acht aus der VOGUE Septemberausgabe von 1991. Ein legendäres Bild!

Das es nicht „nur“ um Mode geht beweist die Geschichte auf Seite 156. Ein Fotograf zeigt mit beeindruckenden Bildern das Gefängnis, in dem Nelson Mandela 18 Jahre lang litt.

In der POESIE geht es um „vom Charme perfekter Tischkunst, der Weisheit eines Peruanischen Dichters und den Sternen!“

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FAZIT: Ich bin jedes Mal aufs neue Aufgeregt wie ein kleines Kind vor seinem Geburtstag, wenn ein neues Magazin auf dem Markt erscheint. Ich liebe Printprodukte und will es auch nicht komplett aufgeben. Deswegen war QUINTESSENCE für mich etwas wie eine Bestätigung. Das auch noch andere daran glauben und es nicht schon lange abgeschrieben haben.

Für mich ist QUINTESSENCE eine Kampfansage an den tot geglaubten Zeitschriften-Markt! 

Ich denke, alle anderen Verlage, sollten sich davon angespornt fühlen und etwas derartiges auf die Beine stellen. 

Ich freue mich auf QUINTESSENCE 2!

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Ein Gedanke zu “Magazinbesprechung: QUINTESSENCE

  1. Ich konnte dein Gefühl richtig nachvollziehen, nach einem schrecklichen Tag Aufheiterung in einem gutem Printmagazin zu finden:) Drücken wir alle die Daumen für eine zweite Ausgabe!

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