Interview mit Shahrzad Osterer

Shahrzad Osterer ist gebürtige Iranerin und mit einem Israeli verheiratet. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Deswegen engagiert sich die 29-jährige stark für die Facebook-Bewegung „Israel loves Iran“ und die Rechte der Frauen in ihrem Heimatland. 2004 ist sie mit 19 Jahren nach Deutschland ausgewandert und arbeitet mittlerweile  beim Bayerischen Rundfunk als Radio-Journalistin. 

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Wieso bist du mit 19 Jahren nach Deutschland immigriert und welche Vorstellung hattest du davon?

Ich habe viel überlegt, in welches Land ich gehe. In Deutschland habe ich Verwandtschaft. Das war der ausschlaggebende Punkt. Deutschland habe ich mir als Kind immer wie einen Disney Film vorgestellt. Das waren die ersten Filme, die ich gesehen habe.Mit zehn war ich dann das erste mal in Köln bei meinem Onkel, genau zur Zeit vom Karneval! Das war für mich wie ein Paradies. Mitten auf der Straße trinken, tanzen und „Kölle Alaaf“ schreien. Damit habe ich noch ganz lang angegeben, im Iran.

Wie unterscheidet sich dein Leben im Iran zu dem hier in Deutschland?

Auf den Straßen im Iran, gibt es die Sittenwächter. Die schauen, ob du Kopftuch trägst oder ordentlich gekleidet bist. Deswegen findet alles zuhause statt. Wir feiern genauso Partys, wie alle anderen Jugendlichen auch. Nur das sie geheim sind. Wir sind auch oft, in die Wüste gefahren, mit 200 Freunden und großen Musikboxen und haben da richtig Party gemacht. Das geht, weil es dort in der Wüste, keine Wächter gibt. Im Iran gibt es ein ganze Untergrund-Szene, die cool ist und Spaß macht. Wir müssen eben nur besser aufpassen. In Deutschland küsse ich meinen Mann auf der Straße oder trinke Alkohol in einer Bar. Aber in den Häusern gibt es nicht viele Unterschiede. Nur als Frau hat man es sehr schwer.

Wie unterscheidet sich, dass Frauenbild im Iran zu dem deutschen?

Die Unterschiede liegen im Gesetz. Im Iran haben wir eine sehr starke Frauenbewegung. Die Frauen hier sind sehr engagiert, was Politik angeht aber auch im beruflichen Leben oder Zuhause. Oft hat man das Bild, dass sie zuhause sitzen, putzen, kochen, Kinder groß ziehen. So ist das nicht. 60 Prozent der Iranischen Studenten sind Frauen. Sie sind ganz oft in führender Position in Firmen. Journalisten, Politikerinnen. Aber das Gesetz im Iran diskriminiert die Frauen. Die Aussagen von vier Frauen gelten wie die Aussage von einem Mann. Wenn eine Frau sich scheiden lassen möchte, muss der Mann zustimmen, sonst geht das nicht. Oder wenn man Heiraten möchte im Iran, benötigt man die Erlaubnis vom Vater. Viele Frauen wünschen sich einfach, frei entscheiden zu dürfen. Ein weiteres Problem ist die Kopftuchpflicht. Viele Iranerinnen wollen ihr Kopftuch ablegen, aber das geht nicht. Genauso, dass Jungen und Mädchen in Schulen getrennt werden. Viele Eltern wünschen sich, ihre Kinder auf eine gemeinsame Schule gehen zu lassen. Es gibt viele Probleme im Iran aber wir Frauen kämpfen für die Gleichsetzung von Frau und Mann vor dem Gesetz.

Wissen deine Eltern wie offen du in Deutschland lebst?

Ja, klar! Meine Familie ist zum Glück sehr Liberal, sonst würden sie mich nicht mit 19 alleine nach Deutschland schicken. Sie kennen mich und wie ich hier lebe. Meine Mutter war für ein paar Wochen bei uns in Deutschland zu Besuch. Es gibt aber bestimmt auch Familien im Iran, die meinen Lebensstil als nicht richtig bezeichnen würden.

Wie oft besuchst du deine Eltern im Iran?

Leider garnichtmehr. Meine Eltern besuchen mich. Ich habe zu große Angst, in den Iran zu reisen. Dort könnte es sein, dass ich wegen meiner politischen Aktivitäten verhaftet werde.

Beitrage von Shahrzad für den Bayerischen Rundfunk , Israel Iran Konflikt Wikipedia

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