Interview mit: MARCEL OSTERTAG

Auf der Berliner „Fashion Week“ gilt seine Show seit vielen Jahren als Pflichtbesuch der Fashionistas und der internationalen Presse. Marcel Ostertag schafft den Spagat zwischen aufregenden Prints und Schnitten bis hin zu femininer, tragbarer Mode. Mit seinem obligatorischen Walk über den Laufsteg eröffnet er jede seiner Shows selbst und hat sich fest in der Modewelt etabliert. Umso erstaunlicher ist seine Teilnahme an der Pro7-Talent-Show „Fashion Hero“. Wieso er genau jetzt als Castingshowkandidat fungiert, wie er den Vergleich zu Kretschmar sieht und weshalb er seine Kindheit als Gefängnis bezeichnet, lest ihr hier im Gespräch mit dem Mann, bei dem (laut eigener Aussage) jeden Tag ein Ostertag ist.

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Marcel, wo ist dein Markenzeichen, die lange Mähne geblieben?

Ach, ich habe eine Veränderung gebraucht. Außerdem werde ich ja auch nicht jünger. Bei Frauen fangen die Brüste an zu hängen und bei Männern werden mit dem Alter die Haare kürzer und die Bäuche dicker. So ist das eben.

Bei Frauen sagt man auch, dass abschneiden der Haare steht für einen neuen Lebenswandel.

Bei mir nicht. Ich wünschte ich hätte mir die Haare viel früher abgeschnitten. Auf den vielen Events und speziell während der Pro7-Show war das immer eine unglaubliche Arbeit. Außerdem sehe ich mit kurzen Haaren 10 Jahre jünger aus!

Du hast gerade „Fashion Hero“ angesprochen. Du bist sehr etabliert in der Mode. Wieso genau jetzt eine Castingshow?

Also das mit „Fashion Hero“ war so. Ich habe lange überlegt und auch viel recherchiert was im Amerikanischen Fernsehen so angeboten wird und wie dort solche Formate aufgenommen werden. Ich war einfach von Anfang an von dem Konzept überzeugt, dass man seine Designs noch während der Show an große Ketten verkaufen kann und Cash macht. Und auch wenn die Quoten schlecht sind und die Presse Claudia langweilig finden, verkaufen sich unsere Teile trotzdem unglaublich gut in den Läden und allein für die Wirtschaft ist das schon ein großer Gewinn.

Keine Angst vor der „Trash“ Schublade?

Mich gibt es nun seit sieben Jahren und ich hatte sechs Jahre lang Zeit zu beweisen, wer ich bin und was ich kann und in dieser Zeit habe ich mir auch ein sehr dickes Fell wachsen lassen. Natürlich wird jetzt auch schlechtes über mich geschrieben, aber Deutschland ist so ein schweres Modeland und man muss als junger Designer einfach sein Gesicht in jede Kamera halten, sonst wird man nicht wahr genommen.Und solange jede Kritik nachvollziehbar ist, nehme ich diese auch gerne an.

Wie siehst du den Vergleich zu Guido Maria Kretschmar? Dieser wurde einst auch als Designer gefeiert und ist jetzt nur noch als „TV-Clown“ bekannt.

Guido wird erst seit der Sache mit „Supertalent“ als Clown gesehen. Im Endeffekt geht es alles um das Geld und wir Designer müssen auch von etwas leben. Dann macht man letztendlich auch den ein oder anderen Blödsinn.

Wie käuflich bist du?

Garnicht! Ich mach das was mir Spaß macht und was authentisch ist. „Supertalent“ würde ich nie machen, dafür aber „Lets Dance!“.

Wie passt das zusammen, „Lets Dance“ und Ostertag?

Mit fünf Jahren habe ich angefangen Ballett zu tanzen. Mit zehn bin ich nach Wien gezogen und habe für die Staatsoper getanzt. Das war wie ein Gefängnis. Sechs Stunden Schule, danach sechs Stunden Training. Keine Freizeit. Dafür habe ich dort Disziplin und Ehrgeiz gelernt. Beides Tugenden, die ich bis heute durchsetze und von meinem Team erwarte.

Wie macht sich das bemerkbar?

Ich bin immer der erste, der mit seiner Kollektion und dem Lookbook-Shooting fertig ist. Stress und Hektik gibt es bei mir nicht.

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Wie bist du Aufgewachsen?

Bevor ich mit dem Ballett angefangen habe, war meine Kindheit sehr schön. Ich komme aus Berchtesgaden, einem ganz kleinen Ort im tiefsten Bayern. Natürlich war ich von Anfang an, anders wie die anderen und der bunte Fleck im Ort.

Was war dein Lieblingsteil damals?

Das war ein pinker Barbie Oversize Pullover. Das weiß ich noch ganz genau. Alle Kinder aus meiner Klasse hatten Braun, Beige und Ocker an und ich kam in Pink, Flieder und Lila.

Damit bist du mit Sicherheit angeeckt als Junge in einem so kleinen Ort?

Überhaupt nicht. Ich habe es damals schon, mit so einer Selbstsicherheit getragen, dass es für niemanden ein Problem war. Das ist auch mein Tipp für alle die anders sind. Solange es man mit Selbstbewusstsein trägt, ist alles möglich!

Wie sind deine Eltern damit umgegangen?

Meine Mutter ist genau wie ich, ein wilder Vogel und hat mich von Anfang an akzeptiert. Meine Lehrerin hat einmal bei ihr angerufen und gefragt, wieso sie mich so feminin erzieht. Daraufhin meinte sie nur: „Der Marcel erzieht sich selbst. Wieso soll ich ihm ein Maschinengewehr kaufen, wenn er lieber mit Puppen spielt?“. Damit war das Thema auch gegessen. Von meinem Vater weiß ich es gar nicht so genau, da sich meine Eltern früh getrennt haben. Er hat das aber auch gelassen gesehen.

Wie reagiert deine Familie auf deinen Beruf?

Die sind alle ganz stolz auf mich. Meine Großeltern waren lange skeptisch, da sie dachten, ich sitze in einem Hinterhof und nähe Kleider für Frauen. Seitdem sie mich als Firma sehen und nichtmehr als Schneider ist alles gut.

Stichwort „Firma“. Du machst sehr teure Mode und seit neuestem auch günstige. Eine Kosmetiklinie und Haarspangen. Was ist deine Zielgruppe?

Ich habe von Anfang an eine sehr breite Zielgruppe. Meine jüngste Kundin ist 14 und meine älteste 55. Wieso soll ich mir Kunden durch die Lappen gehen lassen, nur um meine Zielgruppe einzugrenzen. Ich bin gern für alle da.

Wieso dann keine Männerkollektion?

Ich habe nicht in London studiert und mir den Arsch aufgerissen, um Hemden und Hosen zu designen. Der deutsche Mann ist leider sehr langweilig. Damit kann ich nichts anfangen.

Wie geht’s weiter? Was sind deine Pläne für 2014?

Im Januar steht wieder die Berlin Fashion Week an. Zwei Wochen später zeige ich meine Mode wie immer in München. Außerdem arbeiten wir gerade mit Hochdruck daran, im Februar auf der New York Fashionweek ausstellen zu können. Ich will es nicht überstürzen und lasse mir Zeit um dort langfristig Fuß fassen zu können. Wenn ich das geschafft habe, kann ich Berlin auf Wiedersehen sagen.

Aber München bleibst du treu?

Ja, München bedeutet für mich Heimat. Ich plane gerade ein Konzept für die Stadt München, dass Jungdesigner einen Laden in A-Lage (Innenstadt) bekommen und dort ihre Mode zeigen können. In Berlin gibt es so etwas bereits und ich finde es sehr wichtig, da wir uns aufgrund der hohen Mieten einfach nichts in der Briennerstraße oder ähnliches leisten können und so nicht genügend Beachtung bekommen.

Viel Erfolg dabei und Danke für das Gespräch!

Gerne, ich sage Danke.

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