#MCM – Portrait Michael Cromer: Das schillernde Leben des Kofferkönigs Michael Cromer

Credit: Familie Cromer

Michael Cromer mit Samy Davis Junior Credit: Familie Cromer

Eine Karriere als Model, wilde Partys mit den Reichen und Schönen, Erfolge mit dem Taschen-Unternehmen MCM und letztendlich der finanzielle Ruin: Michael Cromers Leben klingt wie ein Film. Doch wie war er wirklich, der Mann mit den „yellow bags“?  Michael Cromer Portrait, im Auftrag für Focus Online

 

Michael Cromer war ein Mensch, der jeden wie einen Star behandelte und schließlich selbst einer wurde: Mit der Taschenmarke MCM (Michael Cromer München) hat Michael Cromer ein Label von Welt erschaffen, mit dem er in den 80er-Jahren einen Jahresumsatz von bis zu 500 Millionen D-Mark verbuchte. Dahinter stand ein Münchner Lebemann, der das Leben genoss und gerne jedem etwas von seinem Glück abhaben ließ. Das wurde Michael Cromer oft negativ ausgelegt. Ein „Angeber und Verschwender“ soll er gewesen sein,schrieb damals die Presse. Der „kreativste und gutgläubigste Mensch, den sie je kannten“, sagt dagegen sein enges Umfeld.

Michael wurde 1939 als Michael Kromer geboren. Als seine Karriere als Model und Schauspieler begann, wechselte er seinen Namen Kromer in Cromer. Einfach, weil es „internationaler klang“, wie  Cromer in seiner Biografie „Die Michael Cromer München Story“ erläutert. In seinem Herzen pochte schon immer etwas Kosmopolitisches, eine Art Sehnsucht nach etwas Großem, Glamourösen. Etwas, das er nie kannte, aber irgendwann besitzen würde.

Michael Cromer war anders

Sein Leben startete alles andere als glamourös. Nur wenige Tage nach seiner Geburt in Krefeld begann der Zweite Weltkrieg, in dem sein Vater für Deutschland in Russland kämpfte. Mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder Heiner musste er oft umziehen, schließlich landete Michael bei seinen Großeltern. Er war anders als sein Bruder und seine Eltern – das spürte er oft. In seinem Umfeld nannten sie ihn „Shoe Shine Boy“, weil sein Teint dunkler war.

Erst viel später erfuhr Cromer, dass sein Vater gar nicht sein biologischer Vater war. Die Mutter hatte eine Affäre mit einem Mediziner. Doch das spielte für Michael keine Rolle. Der Vater war für ihn nie die Person, die ihn gezeugt hatte, sondern die Person, die sich um ihn gekümmert hat. Und so kehrte er 1948 wieder nach Krefeld zurück, als auch sein Vater aus dem Wehrdienst entlassen wurde.

Szene-Partys im Elternhaus

Schon als Teenager legte Michael Cromer viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres und ein repräsentatives Auftreten in der Öffentlichkeit. So war das Adler Cabrio seines Vaters für ihn eine Art Symbol für Eleganz und ein schönes Leben. Er liebte das Schöne und Ästhetische und umgab sich gerne damit. Auch schöne Frauen gehörten bald zu Cromers großen Leidenschaften.

Mit dem Umzug seiner Familie nach Frankfurt 1952 öffneten sich für ihn viele neue Möglichkeiten. Die Frankfurter Partyszene war geprägt von Tanz-Clubs und Striptease-Läden. Hier sammelte Michael Cromer erste Erfahrungen mit dem weiblichen Geschlecht und feierte ausgelassene Partys im elterlichen Heim. So lud er die Frankfurter Szene in das Haus seiner Eltern ein und feierte dort mit Tänzerinnen und Catering Partys im großen Stil. Während seines VWL-Studiums in Tübingen verstand er es auch, seinen ausgeprägten Sinn für Ästhetik gewinnbringend zu nutzen und arbeitete als Model und Schauspieler. Dies brachte Cromer einen netten Nebenverdienst und Kontakte zu vielen Berühmtheiten und internationalen Topmodels ein.

Eine andere Leidenschaft, die in Frankfurt entstand, brachte Michael Cromer zu seinem ersten internationalen Ausflug. Cromers großes Talent im Sport führte ihn in die Auswahl-Mannschaft der Rugby-Jugend und letztendlich in das Sommercamp nach Wales.

Hier entstanden sein kosmopolitisches Denken und die Sehnsucht nach fremden Kulturen. Michael Cromer sagte einmal: „Von jedem Land und von jeder fremden Kultur schaue ich mir etwas ab und mache es zu etwas Eigenem von mir.“

Befreundet mit Michael Douglas und Samy Davis Jr.

Cromers großes Talent war sein sympathisches und charismatisches Auftreten. Egal, ob es während eines Werkstudentenjobs bei Mercedes war, bei dem er den ersten Streik nach dem Krieg in der baden-württembergischen Metallindustrie anzettelte, oder als Vertreter für ein Lebensmittelgeschäft. Mit seinen Worten und seiner Gutgläubigkeit konnte er Menschen mitreißen und überzeugen.

Michael Cromer war kein rücksichtsloser Geschäftsmann, der nur Zahlen im Kopf hatte, sondern ein kreativer Kopf, der Träume hatte und diese verkaufen konnte. So passierte es oft, dass er sich mit Berühmtheiten wie Michael Douglas oder Sammy Davis Junior,der ihn stets „the guy with the yellow bags“ nannte, geschäftlich traf. Daraus entstanden langjährige, gute Freundschaften.

Trabi entpuppt sich als Geniestreich

Eine weitere Begabung Cromers war das stark ausgeprägte Talent für Marketing. Er verstand es, Dinge zu präsentieren, die im ersten Augenblick wahnsinnig überzogen oder verrückt wirkten, und sich auf den zweiten Blick als Geniestreich herausstellten. So gründete er während seiner Studienzeit in Tübingen einen Mitglieder-Nachtclub, in den nur Gäste mit Ausweis Einlass gewährt bekamen – ein neues Konzept in Deutschland, daseinschlug wie eine Bombe.

Unter großem Medienrummel kaufte Michael Cromer den letzten Trabi Deutschlands und motzte ihn mit goldenen Felgen auf. Die Presselandschaft spottete über ihn, aber seiner Firma brachte das Werbeanzeigen in Höhe von einer Million D-Mark ein. „Mein Mann hat sich nie darum geschert, wenn alle gelacht haben, denn am Ende lachte er“,erzählt seine Frau Mara Cromer im Interview mit FOCUS Online.

Wie Cromers LebenswerkMCMzerbrach

Doch das größte Glück, das Michael bis zum Ende erhalten blieb, war seine Familie. 1965 lernte er seine Frau Mara kennen und machte ihr noch am selben Tag einen Heiratsantrag. Nach vielen Umwegen, Mara war zu diesem Zeitpunkt verheiratet und hatte schon ein Kind, heirateten die beiden. Die Beziehung hält bis heute, weit über seinen Tod hinaus.

Ab der ersten Sekunde kümmerte er sich aufopferungsvoll um Maras Tochter Patrizia und übernahm, ohne zu fragen, die Vaterrolle. In Spaziergängen in der Natur und beim ausgiebigen Kochen fand er seinen Ausgleich zur Sieben-Tage-Arbeitswoche. „Er war ganz anders, als ihn die Presse beschreibt“, sagt Mara Cromer. Doch selbst die enge Beziehung zu seiner Frau konnte ihn nicht über die Häme und die Kritik seiner Neider und Gegner hinwegsehen lassen.

Das tragische Ende eines schillernden Lebens

Cromers gutgläubige und naive Art in Wirtschaftsfragen machten ihn angreifbar und verletzlich. Mit der Übernahme und dem Konkurs seiner Firma MCM zerbrach das Lebenswerk von Michael Cromer. Bis zuletzt versuchte er, es zurück zu bekommen, doch die fehlenden finanziellen Mittel machten diesen Kampf unmöglich. Die Schickeria wandte sich ab.

 2007 schließlich starb der schillernde Michael Cromer mit 68 Jahren in München an den Folgen des tragischen Verlusts seines Lebenswerkes, da ist sich Witwe Mara Cromer sicher. Die offizielle Todesursache lautete komplettes Organversagen, er hatte sich nach einer Operation an der Aorta nie wieder richtig erholt. „Denken Sie immer daran: Der Neid der anderen wird Sie zu Fall bringen. Leben Sie nicht dort den amerikanischen Traum, wo man es Ihnen nicht gönnt. Egal, wie fleißig Sie waren und sind.“ Hätte Cromer diesen Tipp, den er selbst in seiner Biographie gab, beherzigt, wäre sein Leben am Ende vielleicht anders verlaufen.
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